Erneuerbare Energien: Wachstum auch ohne Subventionen
06.02.2020, 09:33

Die Erfolgsgeschichte der Erneuerbaren Energien ist ohne Subventionen nicht denkbar. „2019 hat die Branche aber den Punkt erreicht, an dem Subventionen nicht mehr notwendig sind“, sagt Markus W. Voigt, Geschäftsführer der AREAM GmbH. „Deshalb ist es gut, dass die Subventionen gestrichen werden und der Markt das Zepter übernimmt.“ Das gilt sowohl gesamtgesellschaftlich wie auch für Investments in Erneuerbare Energien.

 

„Manche Investoren sahen die staatlichen Umlagen oder Zuschüsse als eine Art Garantiezins, der ihnen eine sichere Einnahmequelle ermöglichte“, sagt Voigt. Das aber ist kein nachhaltiger Ansatz. Die Belastbarkeit der Gesellschaft wurde immer weiter ausgereizt, je mehr Wind- oder Solarparks gebaut wurden. Die Akzeptanz sank, das Erneuerbare-Energien-Gesetz mit seiner festgeschriebenen Umlage wurde immer mehr zum Feindbild der Stromverbraucher. „Und auch manche Stromanbieter versteckten sich bei Preiserhöhungen gern hinter dem Argument, Ökostrom mache alles teurer“, sagt Voigt.


Insofern ist es richtig, die finanziellen Unterstützungen endgültig zu streichen. „Die politische Unterstützung bleibt ja bestehen und hier sind durchaus noch weitere Schritte denkbar“, sagt Voigt. „Geld aber braucht die Branche nicht mehr.“
Zumal es eine Fehleinschätzung ist, staatliche Zuwendungen als stabil anzusehen. „Wir sehen ja, wie schnell sich politische Überzeugungen wandeln, beim Atomausstieg genauso wie beim Kohleausstieg“, sagt Voigt. Dagegen seien Marktpreise selbst auf lange Sicht gut kalkulierbar. „Es mag sein, dass die Schwankungen der Preise insgesamt höher sind, das gilt aber auch für das gesamte Preisniveau.“ In jedem Fall gilt: Die Branche ist erwachsen geworden und braucht die Anschubfinanzierung nicht mehr.


Investments in Solar- oder Windparks rechnen sich deshalb auch ohne Unterstützung. „Wir sehen in Italien, dass die Betreiber der Parks nach dem Wegfall der Einspeisepflicht eigene Verträge mit Abnehmern abgeschlossen haben“, sagt Voigt. „In unserem eigenen Portfolio sind die Erträge in Italien dadurch nicht gesunken, sondern sogar gestiegen.“ Ähnliches gilt für Spanien, wo der Staat jetzt auch auf eine Marktpreisbildung setzt.


„Für Investoren heißt das, dass die Einnahmen zwar nicht mehr von vorneherein feststehen, aber durchaus höher ausfallen können als erwartet“, sagt Voigt. Das liege auch daran, dass die Nachfrage nach zertifiziertem Ökostrom das Angebot in den kommenden Jahren bei Weitem überschreiten werde. „Wenn tatsächlich alle Unternehmen auf grüne Energie umstellen, die das in den vergangenen Wochen und Monaten angekündigt haben, wird die Nachfrage sprunghaft steigen, das Angebot aber nur deutlich langsamer ausgebaut werden können“, sagt Voigt. „Zumindest bis die Erneuerbaren Energien den Löwenanteil des Strombedarfs decken, wird grüner Strom teurer sein als Carbon-Strom.“

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