Trotz mancher Rückschritte gibt es auch konkrete Fortschritte für den Umbau der Energiewirtschaft hin zu heimisch verfügbaren Erneuerbaren Energien. „Zentraler Hebel ist die Flexibilisierung bislang starr gehandhabter Regeln beim Netzanschluss“, sagt Patrick Lemcke-Braselmann, CEO der aream Group. „Indem sich mehr Anbieter Netzzugänge teilen dürfen, wird der Ausbau Erneuerbarer Energien, insbesondere von Grünstromspeichern, messbar beschleunigt werden.“
Das Instrument sind Flexible Connection Agreements (FCAs). „Diese flexiblen Netzanschlussverträge sorgen dafür, dass gerade Photovoltaik-Anlagen und Batteriespeicher schneller ans Netz gelangen können“, so Lemcke-Braselmann. „Bestehende Engpässe beim Netzanschluss werden dadurch entschärft.“ Dafür wird in den FCAs unter anderem die Steuerung von Leistungsänderungen, insbesondere die sogenannten Rampen geregelt. Dabei geht es um die Geschwindigkeit, mit der Einspeise- oder Bezugsleistungen angepasst werden können.
„Stromnetze reagieren empfindlich auf abrupte Leistungsänderungen, weshalb relativ viel Puffer eingebaut werden muss“, sagt Lemcke-Braselmann. „In den FCAs wird jetzt festgelegt, dass die Anlagen zwar ans Netz dürfen, sich aber zu einem gewissen Wohlverhalten verpflichten müssen.“ Dieses Wohlverhalten wird anhand der Rampen festgelegt, der Werte also, mit denen die Anlagen ihre Abgabe oder den Bezug von Strom aus dem Netz verändern dürfen.
„Ein Batteriespeicher mit zehn MW Leistung und einer Rampenbegrenzung von zehn Prozent pro Minute darf seine Einspeisung nur um ein MW pro Minute erhöhen oder reduzieren“, so Lemcke-Braselmann. „Diese relativ gering scheinende Anpassung entlastet die Netze gewaltig und sichert die Systemstabilität, auch wenn die Rendite durch die Einschränkungen etwas reduziert, ist.“ Und das, ohne dass der Ausbau der Netze zusätzlich beschleunigt werden muss. „Dieses Vorgehen ist ein guter Kompromiss, da es für Netzbetreiber leichter wird den Anschluss zu genehmigen, und unter anderem die Rampen anpassen und vorgeben“, so Lemcke-Braselmann.
Diese zusätzliche Flexibilität ermöglicht es, vorhandene Netzkapazitäten besser auszunutzen. „Projekte, die bislang aufgrund starrer Anschlussbedingungen nicht realisierbar waren, können nun umgesetzt werden,“, sagt Lemcke-Braselmann. „Das betrifft insbesondere Regionen mit bereits angespannten Netzsituationen, in denen der Bedarf an (netzdienlichen) Speicherlösungen besonders hoch ist.“
Die Bundesnetzagentur wird voraussichtlich Ende Mai erste regulatorischen Leitplanken für diese Entwicklung vorgegeben. Damit ist die Grundlage geschaffen, um FCAs umzusetzen. „Die Verteilnetzbetreiber befinden sich aktuell in der Standardisierungsphase“, so Lemcke-Braselmann. „Erste Angebote für flexible Netzanschlüsse werden vorbereitet und sollen schnell verfügbar sein.“ Für den Markt bedeutet dies eine neue Perspektive. „Innerhalb der nächsten drei Jahre ist mit einer deutlichen Beschleunigung bei Genehmigungen und beim Ausbau von Grünstromspeichern zu rechnen“, sagt Lemcke-Braselmann. „Das schiebt manche Projekte ganz schnell an, Investitionsentscheidungen gewinnen an Planungssicherheit.“
„Die Einführung flexibler Netzanschlussmodelle ist ein wunderbar pragmatischer Ansatz, um bestehende Hürden zu reduzieren und gleichzeitig die Stabilität des Systems zu gewährleisten“, sagt Lemcke-Braselmann. „Auch wenn natürlich der weitere Ausbau der Netze trotzdem vorangehen muss, zeigt sich doch, dass bei gemeinsamem guten Willen vieles schnell möglich ist.“
PRESSEKONTAKT:
Leandra Kiebach
T: +49 (0)211 30 20 60 4-2
E: lk@aream.de